Holly – vom Angsthund zum Traumhund

«Durch Zufall haben wir Holly (damals hiess sie noch Fixi) auf der Facebookseite der Streunerhilfe Sizilien entdeckt. Es war Liebe auf den ersten Blick und wir wussten sofort, dass wir diesen süssen kleinen Junghund zu uns holen wollten. Nach einem langen Gespräch wussten wir dann auch, dass dieser junge Hund schon Schreckliches erlebt hatte. Holly wurde zusammen mit ihrer Schwester auf einem riesigen Müllberg entdeckt. Sie waren extrem scheu und zunächst schien es unmöglich, die beiden einzufangen. Gejagt von einer Gruppe grosser Hunde, zogen sich die zwei zum Schutz in eine Betonröhre zurück. Es dauerte Wochen bis die beiden endlich in Sicherheit gebracht werden konnten. In der Auffangstation der Streunerhilfe wurden die Schwestern dann aufgepäppelt. Beide hatten panische Angst vor den Menschen, liessen sich kaum anfassen, hatten die Rute permanent eingezogen und verkrochen sich, wann immer sie konnten.

 


Unser Entschluss stand aber fest und rund vier Wochen später konnten wir unsere kleine Holly in Deutschland willkommen heissen. Eine liebe Unterstützerin der Streunerhilfe übergab uns den Hund am 3. Juli 2017 und wir waren überglücklich, sie nun bei uns zu haben. Ich hatte bereits Erfahrung mit Hunden, war mit Hunden aufgewachsen und hatte mich mit meinem Vater jahrelang in der Rettungshundearbeit betätigt. Mir war aber schnell klar, dass wir eine riesige Aufgabe vor uns hatten. Die ersten Tage und Wochen waren nicht nur für den Hund, sondern auch für uns schwierig. Holly hatte Angst vor uns, vertraute uns nicht, sie frass vor lauter Angst kaum, und war in allem was sie tat mehr als unsicher, was auch mich zunächst verunsicherte. Das allerschlimmste für mich war, dass sie anfing zu zittern, weglief und sich sofort hinter allem möglichen versteckte, wenn man sich ihr näherte. Sie anzufassen war unmöglich. Ich fragte mich immer wieder, ob ich diese Aufgabe jemals meistern würde. 

 

Sie tat sich so schwer, dass wir letztlich entschieden hatten, sie eine Zeit lang zu meinen Eltern zu geben. Wir waren überzeugt, dass ihre Border Collie-Hündin Emily Holly helfen konnte. Ihr Aufenthalt bei meinen Eltern dauerte schliesslich etwas länger als geplant. Knapp 2,5 Monate haben meine Eltern und Emily Holly gezeigt, dass Menschen ein Tier auch lieben können und nicht immer nur Böses im Schilde führen. Holly taute allmählich auf und verlor nach und nach ihre Angst. Sie fing an auf Spaziergängen zu schnüffeln und lernte das Junghund-ABC. Was jedoch blieb, war ihre massive Angst vor Männern. Holly mied sowohl meinen Freund als auch meinen Vater wenn immer möglich. 


Im Herbst kam Holly zurück zu uns. Der Alltag war zwar noch immer schwierig, aber es wurde besser und so schleppte ich sie jeden Tag mit zum Reitstall. Wenn ich am Reiten war, lag sie anfangs auf ihrer Decke und jammerte so laut, dass man sie über den ganzen Hof hören konnte. Damit hörte sie aber bald wieder auf, weil ich schnell merkte, dass ich wieder kam. An einem sonnigen Herbsttag plante ich mit einer Freundin einen Ausritt. Ich wollte Holly gerne mitnehmen, mit Leine war dies jedoch etwas schwierig. Spontan entschied ich mich sie frei laufen zu lassen. Ein Versuch, der zum Glück grandios klappte. Sie lief mit uns mit – neben den Pferden, vor den Pferden, hinter den Pferden – als hätte sie nie etwas anderes gemacht. 

 

Im Frühjahr 2018 hatte Holly sich ziemlich akklimatisiert. Sie war mittlerweile fast normal und hatte ihre Angst weitestgehend überwunden. Ich hatte mit ihr zu Hause, im Garten und auf Spaziergängen immer wieder geübt und mittlerweile konnte sie Sitz, Platz, Fuß und Komm. Sie fügte sich immer besser in unseren Alltag ein, fand ihren Platz und hatte mittlerweile verstanden, dass sie unsere absolute Prinzessin ist.


Mittlerweile ist es März 2019 und Holly bald zwei Jahre bei uns. Dank ganz viel Geduld der ganzen Familie hat sich Holly zu einer tollen Hündin entwickelt. Sie gibt Füßchen, läuft immer ohne Leine, wenn wir spazieren gehen und hört besser als so manch anderer Hund. Sie liebt es, mit anderen Hunden über die Felder zu fegen und zu spielen. Und sie liebt es mit zum Pferd oder auf Reitturniere zu fahren. Sie geniesst lange Ausritte und ist im Reitstall so entspannt wie kein anderer Hund. Holly hat keine Angst vor den Pferden, versteht sich mit Katzen, jagt keine Hühner oder Vögel und ist absolut unkompliziert. Im Restaurant legt sich Holly entspannt unter den Tisch und auch Urlaub mit ihr klappt problemlos. Wenn wir meine Eltern besuchen, freut sich nicht nur Holly, sondern auch Emily (mittlerweile 10 Jahre). Sie spielt immer noch gerne und ausschliesslich mit Holly. Die beiden Mädels gehören einfach zusammen. Und auch Männern gegenüber ist Holly mittlerweile zutraulicher geworden.

 

Mein Fazit: Angsthunde sind eine absolute Wundertüte. Ich habe oft zu meinen Eltern gesagt: „Der Schuss hätte auch richtig nach hinten losgehen können“. Ich habe Momente des Zweifelns gehabt – nicht nur einmal. Dass wir das alles ohne Hundeschule geschafft haben, ist abgesehen von ganz viel Geduld unserer jahrelangen Hundeerfahrung und Suchhundeausbildung zu verdanken. Heute ist Holly ein absoluter Traumhund und wir sind froh, dass wir diesen langen, steinigen Weg gemeinsam gegangen sind. Herzlichen Dank liebe Streunerhilfe für diesen einmaligen Hund.» 

 

Autorin: Jasmin


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